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| 15.11.2007 |
| Autorin Nora Günther begeistert über den Lese-Zuspruch ihres ersten Buches |
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«Ich bin einfach überwältigt!»
Region. «Sturm der Verdammnis» heißt das Erstlingswerk der Prestewitzer Autorin Nora Günther – ein historischer Roman aus dem Elbe-Elster-Land. Mit Spannung wurde das Werk vor allem von den Heimatfreunden der Region erwartet.
Nun, nach mittlerweile sechs Buch-Lesungen im Kreisgebiet, steht fest – Nora Günther konnte allen Zweiflern den Wind aus den Segeln nehmen. Immer wieder traf sie auf begeisterte Leser. Und die erste Auflage von 500 Büchern ist bereits vergriffen.
Frau Günther, Ihr Buch ist erschienen, der Großteil der Lesungen liegt hinter Ihnen. Plagt Sie die Langeweile?
(lacht) Nein, ganz bestimmt nicht. Ich bin einfach total überwältigt und hab mit so viel Stress gar nicht gerechnet. Die ganze Aufarbeitung der vergangenen Wochen, die Vorbereitung auf die kommenden Lesungen. Außerdem möchte ich mein Buch ja auch gern über die Kreisgrenzen hinaus bekannt machen. Das verlangt jede Menge Aufwand, macht aber auch richtig viel Spaß. Außerdem genieße ich das Zuhausesein, denn das Familienleben hat in den vergangenen Monaten leider etwas gelitten.
Was meinen Sie damit?
Als das endgültige Abgabedatum feststand, bin ich manchmal echt in Zeitnot geraten. Und wenn ich dann gerade eine Streit-Szene geschrieben habe, und eines meiner Kinder wollte dann etwas von mir, habe ich ungewollt mit rumgemeckert. Ganz automatisch. Daher hat meine Familie mich größtenteils, gerade in der Endphase, in Ruhe gelassen und viel Verständnis gezeigt. Abgesehen davon wäre das Buch niemals ohne meinen Mann erschienen. Er hat den Großteil der Recherchen in alten Archiven übernommen.
Wann haben Sie ihr Werk denn zum ersten Mal in den Händen gehalten?
Das war nur zwei Tage vor der ersten Lesung, die in Mühlberg stattgefunden hat, vor der ich übrigens ziemlich nervös war. Noch aufgepeitschter war ich nur im Vorfeld, als ich die ersten Ankündigungen von mir in der Zeitung gesehen habe. Da wusste ich – es gibt kein Zurück mehr. Aber der Andrang in Mühlberg und auch bei den anderen Lesungen, immerhin waren meist mehr als 50 Menschen zu Gast, entschädigte für alles, und ich bin noch immer total überwältigt.
Welche Reaktionen haben Sie von den Besuchern auf Ihr Buch bekommen?
Sie waren alle so nett und lieb, meistens wurde es richtig familiär an den Abenden. Einige lobten meinen Schreibstil, andere fanden ihn gewöhnungsbedürftig. Ich bekam auch Lob für besonders gelungene Stellen im Buch, und viele stellten Fragen zu den Recherchearbeiten. Dazu haben mein Mann Gerd und ich dann immer gemeinsam gesprochen. Die Abwechslung, auch mit dem musikalischen Rahmenprogramm, kam gut an, denke ich. Eine Leserin hat mir erzählt, dass sie extra nach Mühlberg gereist sei, um sich die Schauplätze wie die Klosterkirche einmal anzuschauen. Andere haben berichtet, dass sie im Buch auf ihre eigenen Vorfahren gestoßen sind. Das fand ich ziemlich spannend. Mich hat überrascht und gefreut, worauf die Leser so alles geachtet haben, und wie sie an meinem Werdegang Anteil nehmen. Einige gaben mir Tipps, wie ich mein Buch besser vermarkten könnte.
Gab es Kritik oder Zweifel an den historischen Fakten in Ihrem Buch?
Nein, zum Glück nicht. In den Lesungen waren ja vor allem viele ältere Heimatfreunde. Vor deren Reaktion hatte ich besonderen Respekt, das geb ich gerne zu. Aber sie alle sagten mir, dass sie das Buch sehr gelungen fänden.
Haben Sie die Bücher signiert?
Ja, und ich war ganz froh, dass ich einen Tipp von einem Autorenkollegen beherzigt habe. Der meinte nämlich zu mir, dass ich mir unbedingt im Vorfeld überlegen sollte, mit welchen Worten ich meine Widmungen schreibe. So konnte ich mich immer auf bestimmte Personen des Buches beziehen und ganz individuelle Worte für die Buchkäufer finden.
Haben Sie eigentlich Autoren-Vorbilder?
Im Krimibereich ist Joy Fielding für mich die Größte. Vom Schreibstil her bewundere ich Stephen King sehr. Wenn es darum geht, Handlungen aufzubauen, finde ich Joanne K. Rowling, die Harry Potter-Autorin, unschlagbar. Mein Regal ist voll, aber leider komme ich kaum noch zum Lesen.
Wie sind Sie ausgerechnet jetzt zum Schreiben gekommen?
Ehrlich gesagt habe ich beim Aufräumen geistige Ergüsse von mir gefunden, die schon 20 Jahre alt sind. Also das Interesse war schon immer da. Aber so richtig die große Lust gepackt hat mich im Jahr 2001. Da hab ich dann auch angefangen, mich im Internet mit anderen Autoren auszutauschen. Studiert hab ich allerdings an der Bergakademie in Freiberg, ich bin Diplomingenieur für Brennstofftechnik. Danach hab ich im Zuge der Wende ein Jahr in Frankreich einen Marketing-Management-Lehrgang besucht. Allerdings nur ein statt zwei Jahre, weil ich schwanger wurde. In der Zeit hab ich, glaube ich, gelernt, viele Dinge gleichzeitig zu erledigen. Später war ich selbstständig in der Software-Branche, wo ich mich im Verfassen knackiger Werbetexte geübt habe. Und schließlich hab ich an der Universität in Cottbus gearbeitet. Doch das ist vorbei. Nun widme ich mich nur noch meiner großen Leidenschaft, der deutschen Sprache.
«Sturm der Verdammnis» spielt im 17. Jahrhundert. Packte Sie während des Schreibens nicht manchmal Lust, in diese Zeit abzutauchen?
Beim Schreiben war ich sowieso immer gedanklich ins Mittelalter versetzt. Schon allein, wenn das Telefon geklingelt hat, störte das. Und manchmal war ich auch froh, wenn ich abends dann wieder ins Jetzt aufgetaucht bin. Ich erinnere mich auch an eine Nacht, als ich im Bett lag und mir kalt war. Mir war nur die Bettdecke verrutscht, aber ich war im Traum so mit dem Buch beschäftigt, dass ich dachte, ich liege irgendwo im Wald, es ist Krieg und die Schweden kommen, eben genau so wie im Buch. Ich war natürlich froh, als ich aufgewacht bin.
Dennoch – genug Bestätigung und Anreiz sind für Sie also da, um ein neues Buch in Angriff zu nehmen?
Oh ja. Wie gesagt, habe ich keine Langeweile. Mein Mann und ich arbeiten bereits an einem neuen Buch. Zur Zeit tauchen wir in die Geschichte von Rittern und Mönchen des 13. Jahrhunderts hier in unserer Region ab. Außerdem habe ich vor Jahren schon einmal einen Krimi geschrieben, der möglicherweise veröffentlicht wird. Tatsächlich habe ich nämlich den Schritt gewagt und konzentriere mich in Zukunft nur noch auf das Schreiben. Es macht solchen Spaß, diese Macht über Figuren zu besitzen, den Bösen Böses und den Guten Gutes wiederfahren zu lassen. Außerdem kann ich einige Figuren Sachen sagen lassen, die ich mir selbst vielleicht nicht trauen würde.
Mit Nora Günther sprach Kornelia Noack.
Die nächsten Lesungen zu «Sturm der Verdammnis» finden am 20. November in der Bibliothek in Schönewalde und am 27. November in Schlieben im Eiscafé Eigl statt. Weitere Termine unter: www.nora-g.de
(Quelle: Lausitzer Rundschau / Herzberg / Elbe-Elster-Rundschau) |
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