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29.03.2008
Mit den eigenen Romanfiguren leiden und glücklich sein
 
Nora Günther stellte in Finsterwalde Roman über 30-jährigen Krieg vor

Mit den eigenen Romanfiguren leiden und glücklich sein

Vom ersten Satz an zieht die Autorin Nora Günther ihre Zuhörer in das Romangeschehen. Engagiert, als wäre sie selbst mitten im Geschehen, las die Prestewitzerin am Donnerstagabend im Finsterwalder Kreismuseum aus ihrem Roman «Sturm der Verdammnis» . Der Roman spielt im Dreißigjährigen Krieg in Mühlberg und der Region bis Sonnewalde und ist der erste historische Roman aus dem Gebiet des heutigen Elbe-Elster-Kreises. Das Buch ist im vergangenen Herbst von dem kleinen, aber engagierten Verlag BücherKammer Herzberg herausgebracht worden.

Entsprechend groß war das Interesse bei den bisherigen Lesungen in der Region und auch in Finsterwalde lauschte eine kleine Zuhörerschar gespannt. Engagiert lesend, führte Nora Günther in die kalten Januartage des Jahres 1637, berichtete vom Überfall schwedischer Soldaten auf zwei Mühlberger Bürger bei beschwerlicher Wagenfahrt. Nora Günther kann spannend erzählen und eine ihrer Stärken ist die Dialogtechnik, merkten die Zuhörer schnell.
So entstand am Donnertsagabend ein lebendiges Bild über authentische Kriegserlebnisse in und um Mühlberg während des Krieges im 17. Jahrhundert. Die Figuren um den Mühlberger Amtsrichter Paul Günther, Vorfahre von Nora Günthers Ehemann Gerd in zwölfter Generation, und andere nachweisbare Personen werden in ein anschaulich-lebendig erzähltes Geschichtsbild mit fiktiven Erlebnissen gestellt. Die Belagerung Mühlbergs wie die unerfüllbare Forderung nach 8000 Gulden durch die Belagerer halten sich an gut recherchierte Fakten wie die Konflikte zwischen Vätern und Söhnen, die Plünderungen der Stadt und die dem Krieg folgenden Krankheitsepidemien. Natürlich fehlt auch die Schilderung des berüchtigten Schwedentrunkes nicht. Die Lesung würzte Nora Günther mit gesungenen Liedern aus der Feder des Barockdichters Somon Dach.
Der Reiz des Buches liegt für einheimische Leser neben der spannend erzählten Handlung in der vertrauten Kulisse der damals 2500 Einwohner zählenden Stadt Mühlberg und der gesamten Region. Kein Wunder, dass die erste Auflage von 500 Exemplaren verkauft ist. Vielleicht ist eine zweite in Sicht, denn auch die Gymnasien des Landkreises interessieren sich für das Buch.
Fachmoderatorin Birgit Neidnicht weiß, dass mit Nora Günthers Roman heimische Geschichte auf lebendige Art vermittelt werden kann. Einen Teil des Erfolges ihres ersten veröffentlichten Romanes überlässt die Autorin lächelnd Ehemann Gerd, denn «er war der akribische Rechercheur seiner Familiengeschichte und aller historischen Vorgänge und hat mich manchmal unsanft aus meiner Phantasiewelt zurück zur belegbaren Historie geholt» , erzählt sie temperamentvoll. Auch wenn es dabei manchen Streit gegeben habe.
Gerd Günther, Historiker und Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde bei der Elbe-Elster-Kreisverwaltung, kennt sich in der Zeit des 30-jährigen Krieges in unserer Region bestens aus. Etwa vierzig Prozent der Bevölkerung seien hier am Krieg und dessen Folgen gestorben, legt er sich fest. Ausgezeichnete Quellen für de Arbeit am Roman fanden die Günthers im Mühlberger Archiv und in Sonnewalder Kirchenbüchern, die der beherzte Pfarrer 1642 vor den die Stadt niederbrennenden Schweden gerettet hatte. Nora Güntehr beantwortete humorvoll bereitwillig Fragen der Zuhörer, sogar die nicht gestellten. Die studierte Diplomingeneurin für Brennstofftechnik und nach der Wende selbstständige Unternehmerin im Software-Bereich hat ihr Engagement inzwischen völlig auf die Schriftstellerei konzentriert. Ein zweiter Roman zu den Geschehnissen um Mühlberg hat sich in ihrem Kopf festgesetzt. «Das Interesse der Leser ermutigt mich dazu.»
Jetzt arbeitet sie gemeinsam mit ihrem Mann erst einmal an einem Roman über die Ritterzeit, der wieder in unserer Region spielt. Viel wollen beide noch nicht verraten. Eine bekannte Ritter-Sage wird aufgegriffen und die Geschehnisse spielen im Umfeld des Klosters Dobrilugk. Auf gute Unterhaltung können die Leser wieder hoffen, denn «meine Liebe gehört der Unterhaltungsliteratur» . Wie der Kriminalliteratur. «Vielleicht» , hofft Nora Günther, «kann ich meinen ersten Roman, ein Krimi, der in Hoyerswerda angesiedelt ist, auch veröffentlichen.»

Termin Vortrag im Museum
Gerd Günther hält am 3. April im Kreismuseum Bad Liebenwerda einen Vortrag im Rahmen des genealogischen Forums. «Auf den Spuren meiner Vorfahren» bewegt sich der begeisterte Ahnenforscher.

Von Jürgen Weser




Presse Ausverkauft! Die erste Auflage des Romans von Nora Günther «Sturm der Verdammnis» ist vergriffen.Nora Günther bei ihrer Buchlesung im Finsterwalder Kreismuseum.
Foto: Jürgen Weser
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Ich kann kein Buch schreiben, das so bedeutend ist wie ein Stück von Shakespeare, aber ich kann eines schreiben, das von mir stammt.
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